
Kurze Antwort
Eine Vertriebsstrategie legt fest, welche Kunden ein Unternehmen über welche Kanäle mit welchem Wertversprechen gewinnen will und welche Ressourcen es dafür einsetzt. Sie besteht aus fünf Bausteinen: Zielkunden, Wertversprechen, Vertriebskanäle, Ressourcen und Kennzahlen. Wirksam wird sie erst, wenn das Vertriebsteam sie versteht und im Alltag danach handelt.
Das Wichtigste in Kürze
- Eine Vertriebsstrategie beantwortet vier Fragen: wen Sie verkaufen, was Sie versprechen, über welchen Weg und mit welchem Einsatz.
- Die Auswahl der Zielkunden ist die wichtigste Entscheidung – und schließt bewusst Kunden aus.
- Eine Strategie braucht wenige, klare Kennzahlen, an denen das Team den Fortschritt erkennt.
- Ob eine Strategie wirkt, entscheidet sich nicht auf dem Papier, sondern in der Umsetzung im Vertriebsalltag.
Inhalt
Was ist eine Vertriebsstrategie?
Eine Vertriebsstrategie ist der mittelfristige Plan, mit dem ein Unternehmen seine Umsatzziele im Vertrieb erreichen will. Sie leitet sich aus der Unternehmensstrategie ab und übersetzt deren Ziele in konkrete Entscheidungen: Welche Kunden sprechen wir an, was bieten wir ihnen, über welche Kanäle verkaufen wir, und wie viele Menschen und Mittel setzen wir dafür ein? Üblich ist ein Horizont von zwei bis drei Jahren.
Von der Vertriebsplanung unterscheidet sich die Vertriebsstrategie durch ihre Flughöhe. Die Strategie legt Richtung und Schwerpunkte fest. Die Vertriebsplanung bricht sie auf Jahresziele, Gebiete und Personen herunter. Das Vertriebskonzept schließlich beschreibt, wie der Vertrieb organisiert ist und arbeitet, etwa Prozesse, Rollen und Werkzeuge. In der Praxis überschneiden sich die Begriffe; wichtig ist, dass die strategischen Entscheidungen vor der Planung getroffen werden.
Welche Bestandteile hat eine Vertriebsstrategie?
Eine Vertriebsstrategie besteht aus fünf Bestandteilen, die aufeinander aufbauen. Fehlt einer, bleiben die anderen ohne Bezug: Ein Wertversprechen ohne klare Zielkunden spricht niemanden konkret an, Kennzahlen ohne Strategie messen nur Aktivität. Die Tabelle zeigt, welche Frage jeder Bestandteil beantwortet und welches Ergebnis am Ende vorliegen sollte.
| Bestandteil | Leitfrage | Ergebnis |
|---|---|---|
| Zielkunden | Welche Kunden wollen wir gewinnen und ausbauen – und welche nicht? | Zielkundenprofil mit Branche, Größe, Bedarf und Entscheidungsstruktur |
| Wertversprechen | Welches Problem lösen wir für diese Kunden besser als die Alternativen? | Kurz formulierter Nutzen je Zielgruppe, belegt mit Argumenten |
| Vertriebskanäle | Über welche Wege erreichen und betreuen wir die Zielkunden? | Kanalmix mit klarer Aufgabe je Kanal |
| Ressourcen | Welche Menschen, Fähigkeiten, Budgets und Werkzeuge brauchen wir? | Personal- und Budgetplan, Qualifizierungsbedarf |
| Kennzahlen | Woran erkennen wir, dass die Strategie wirkt? | Wenige Ziel- und Frühindikatoren mit festem Rhythmus |
Die Zielkunden sind der wichtigste Baustein, weil alle anderen davon abhängen. Eine gute Zielkundendefinition schließt bewusst aus: Wer sich auf alle Kunden konzentriert, konzentriert sich auf keinen.
Wie entwickeln Sie eine Vertriebsstrategie in sechs Schritten?
Eine Vertriebsstrategie entwickeln Sie am besten in sechs Schritten, von der Analyse bis zur Übersetzung in Ziele. Beteiligen Sie neben der Geschäftsführung auch erfahrene Vertriebsmitarbeitende: Sie kennen Kunden, Einwände und Wettbewerber aus erster Hand.
- Ausgangslage analysieren: Umsatz nach Kunden, Produkten und Regionen, gewonnene und verlorene Aufträge, Stärken und Schwächen im Vergleich zum Wettbewerb.
- Ziele ableiten: Aus der Unternehmensstrategie konkrete Vertriebsziele für zwei bis drei Jahre formulieren, etwa Wachstum in einer Branche oder ein höherer Anteil an Neukunden.
- Zielkunden festlegen: Ein Profil der Kunden erstellen, die am besten zum Angebot passen, und Prioritäten zwischen Bestands- und Neukunden setzen.
- Wertversprechen schärfen: Für jede Zielgruppe den wichtigsten Nutzen formulieren und mit Kundenaussagen oder eigenen Erfahrungen abgleichen.
- Kanäle und Ressourcen planen: Entscheiden, welche Kanäle welche Aufgabe übernehmen, und den Bedarf an Personal, Qualifizierung und Werkzeugen ableiten.
- Kennzahlen und Rhythmus festlegen: Wenige Kennzahlen definieren, Verantwortliche benennen und einen festen Termin zur Überprüfung vereinbaren.
Das Ergebnis passt idealerweise auf wenige Seiten. Eine Strategie, die nur die Geschäftsführung erklären kann, wird im Vertrieb nicht gelebt.
Welche Vertriebskanäle passen zu welcher Strategie?
Vertriebskanäle sind die Wege, über die ein Unternehmen seine Kunden erreicht, berät und betreut. Die Wahl hängt vor allem von Erklärungsbedarf, Auftragswert und Kundenzahl ab. Die meisten B2B-Unternehmen kombinieren mehrere Kanäle. Die Tabelle dient als Entscheidungshilfe:
| Kanal | Passt, wenn … | Voraussetzung |
|---|---|---|
| Außendienst | Produkte erklärungsbedürftig sind und Aufträge einen hohen Wert haben | Erfahrene Vertriebsmitarbeitende, Reisezeit und -budget |
| Inside Sales | Kunden zahlreich sind und Beratung per Telefon oder Video ausreicht | Klare Gesprächsleitfäden, gutes CRM, Telefonkompetenz |
| Key Account Management | Wenige Kunden einen großen Teil des Umsatzes ausmachen | Account-Pläne, internes Mandat, langfristige Betreuung |
| Partner und Händler | Ein Markt schneller erschlossen werden soll, als eigenes Personal es erlaubt | Partnerprogramm, Schulung der Partner, klare Gebietsregeln |
| Online-Vertrieb | Produkte standardisiert sind und Kunden selbst bestellen wollen | Shop oder Portal, Produktdaten, digitale Prozesse |
Bei mehreren Kanälen braucht jeder eine klare Aufgabe. Konkurrieren Außendienst und Online-Vertrieb um dieselben Kunden, entstehen Konflikte um Provisionen und Zuständigkeiten, und der Kunde erlebt widersprüchliche Angebote.
Wie setzen Sie die Vertriebsstrategie im Team um?
Die Umsetzung einer Vertriebsstrategie entscheidet sich im Verhalten der Vertriebsmitarbeitenden, nicht im Strategiepapier. Eine neue Zielkundengruppe bedeutet für das Team andere Gespräche, andere Einwände und oft das Verlassen gewohnter Kundenbeziehungen. Wer das nicht versteht oder nicht will, arbeitet weiter wie bisher. Deshalb beginnt Umsetzung bei der Haltung: Das Team muss den Grund für die Veränderung kennen und teilen.
- Strategie erklären: Ziele und Gründe in einem gemeinsamen Termin vorstellen, Fragen und Bedenken ausdrücklich zulassen.
- In Ziele übersetzen: Jede Person weiß, was die Strategie für ihr Gebiet, ihre Kunden und ihre Woche bedeutet.
- Fähigkeiten aufbauen: Neue Zielgruppen und Kanäle erfordern oft neue Gesprächstechniken, die trainiert werden müssen.
- Führung einbinden: Vertriebsleitungen begleiten die Umsetzung im Alltag, etwa in Pipeline-Gesprächen und bei Kundenterminen.
- Regelmäßig prüfen: Kennzahlen im festen Rhythmus besprechen und die Strategie anpassen, wenn sich Annahmen als falsch erweisen.
Typische Fehler bei der Vertriebsstrategie
Fehler bei der Vertriebsstrategie entstehen sowohl bei der Entwicklung als auch bei der Umsetzung. Diese Muster sind häufig:
- Keine Auswahl treffen: Die Strategie nennt „alle Unternehmen mit Bedarf“ als Zielgruppe und gibt damit keine Richtung vor.
- Ziel mit Strategie verwechseln: „Umsatz um ein Fünftel steigern“ ist ein Ziel, aber noch kein Weg dorthin.
- Am Team vorbei planen: Die Strategie entsteht ohne die Menschen, die sie umsetzen sollen.
- Zu viele Kennzahlen: Ein Bericht mit Dutzenden Werten verdeckt, was wirklich zählt.
- Einmal beschließen, nie prüfen: Märkte verändern sich, die Strategie bleibt unverändert im Ordner.
Fazit
Eine Vertriebsstrategie legt fest, welche Kunden Sie mit welchem Wertversprechen über welche Kanäle gewinnen und welche Ressourcen Sie dafür einsetzen. Die wichtigste Entscheidung ist die Auswahl der Zielkunden, weil alle anderen Bausteine darauf aufbauen. Wenige klare Kennzahlen zeigen, ob die Strategie wirkt. Ob sie wirkt, entscheidet sich aber im Vertriebsteam: Erst wenn die Mitarbeitenden die Gründe verstehen und die nötigen Fähigkeiten aufbauen, wird aus dem Papier ein veränderter Vertriebsalltag.