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Vertriebssteuerung & Prozesse

Sales Funnel im B2B: Phasen, Kennzahlen und Engpässe erkennen

Mindshifter RedaktionVertrieb & FührungStand: 27. Oktober 20269 Min. Lesezeit
Analyse von Zahlen am Schreibtisch mit Laptop und Notizen

Kurze Antwort

Ein Sales Funnel, deutsch Verkaufstrichter, bildet ab, wie aus vielen Erstkontakten über mehrere Phasen wenige Kunden werden. Im B2B-Vertrieb reichen die Phasen meist vom Lead über das Erstgespräch und das Angebot bis zum Abschluss. Wer die Konversionsrate zwischen den Phasen misst, sieht, wo Verkaufschancen verloren gehen, und kann dort gezielt ansetzen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Sales Funnel zeigt Mengen und Übergänge im Verkaufsprozess – vom ersten Kontakt bis zum Auftrag.
  • Funnel und Pipeline sind nicht dasselbe: Der Funnel zeigt Quoten über alle Chancen, die Pipeline den Stand einzelner Verkaufschancen.
  • Die zentrale Kennzahl je Phase ist die Konversionsrate: Chancen, die in die nächste Phase wechseln, geteilt durch Chancen, die in die Phase eingetreten sind.
  • Jede Phase braucht ein klares Eintrittskriterium. Ohne gemeinsame Definitionen im Team sind die Zahlen im Funnel nicht vergleichbar.
  • Engpässe zeigen sich erst im Verlauf: Vergleichen Sie Konversionsraten und Verweildauer über mehrere Monate, nicht einen einzelnen Monatswert.
Inhalt
  1. 1Was ist ein Sales Funnel?
  2. 2Welche Phasen hat ein Sales Funnel im B2B?
  3. 3Sales Funnel oder Sales Pipeline: Was ist der Unterschied?
  4. 4Welche Kennzahlen gehören zu jeder Phase des Sales Funnels?
  5. 5Wie finden Sie Engpässe im Sales Funnel?
  6. 6Typische Fehler beim Arbeiten mit dem Sales Funnel

Was ist ein Sales Funnel?

Ein Sales Funnel ist ein Modell des Verkaufsprozesses, das zeigt, wie viele potenzielle Kunden jede Phase erreichen. Oben stehen viele Kontakte, unten wenige Abschlüsse. Die Form des Trichters entsteht, weil in jeder Phase ein Teil der Interessenten ausscheidet – weil der Bedarf fehlt, das Budget nicht reicht oder ein Wettbewerber den Auftrag erhält.

Der Gedanke ist älter als der Begriff. Schon das AIDA-Modell beschreibt Kaufentscheidungen als Abfolge von Aufmerksamkeit, Interesse, Wunsch und Handlung. Der Sales Funnel überträgt diese Logik auf den Vertrieb und macht sie messbar: Für jede Phase lässt sich zählen, wie viele Chancen hineingehen und wie viele herauskommen.

Im B2B-Vertrieb ist der Funnel länger und verzweigter als im Endkundengeschäft. Mehrere Personen entscheiden mit, Angebote durchlaufen Abstimmungsrunden, und zwischen Erstkontakt und Auftrag vergehen oft Monate. Gerade deshalb hilft das Modell: Es macht sichtbar, an welcher Stelle eines langen Prozesses Chancen verloren gehen.

Welche Phasen hat ein Sales Funnel im B2B?

Die Phasen eines Sales Funnels im B2B folgen dem Weg vom unbekannten Kontakt zum Kunden. Es gibt kein verbindliches Phasenmodell; jedes Unternehmen legt die Stufen passend zum eigenen Verkaufsprozess fest. Entscheidend ist, dass für jede Phase ein klares Eintrittskriterium gilt. Ein verbreitetes Grundgerüst sieht so aus:

PhaseWas passiertEintrittskriterium (Beispiel)
LeadEin Kontakt wird erfasst, etwa über Website, Messe oder Empfehlung.Name, Unternehmen und Kontaktweg liegen vor.
Qualifizierter LeadDer Vertrieb prüft, ob Bedarf, Budget und Zuständigkeit grundsätzlich passen.Kontakt entspricht dem Zielkundenprofil.
ErstgesprächBedarfsanalyse mit der Ansprechperson, erste Einschätzung des Nutzens.Termin hat stattgefunden, Bedarf ist dokumentiert.
AngebotEin schriftliches Angebot liegt beim Kunden.Angebot ist versendet und besprochen.
VerhandlungKonditionen, Umfang und Vertragsdetails werden geklärt.Kunde verhandelt aktiv über Details.
AbschlussDer Auftrag ist erteilt oder die Chance ist verloren.Unterschrift oder dokumentierte Absage.

Eintrittskriterien sollten an Ereignissen hängen, nicht an Einschätzungen. „Kunde wirkt interessiert“ ist kein Kriterium, „Termin zur Bedarfsanalyse hat stattgefunden“ schon. Nur so ordnen alle im Team eine Verkaufschance derselben Phase zu, und nur dann lassen sich die Zahlen zwischen Personen und Monaten vergleichen.

Sales Funnel oder Sales Pipeline: Was ist der Unterschied?

Sales Funnel und Sales Pipeline beschreiben denselben Verkaufsprozess aus zwei Blickwinkeln. Der Funnel fragt: Wie viele Chancen schaffen es von einer Phase in die nächste? Die Pipeline fragt: Welche konkreten Chancen liegen gerade in welcher Phase, und was ist als Nächstes zu tun? In der Praxis werden beide Begriffe oft synonym verwendet. Die Unterscheidung lohnt sich trotzdem, weil sie zu unterschiedlichen Fragen führt.

MerkmalSales FunnelSales Pipeline
BlickwinkelMengen und Quoten über alle ChancenStand jeder einzelnen Verkaufschance
LeitfrageWo verlieren wir Interessenten?Welche Chance braucht jetzt welchen Schritt?
Typische KennzahlKonversionsrate je PhasePipeline-Wert, nächste Aktivität, Abschlussdatum
NutzungAnalyse und ProzessverbesserungTägliche Steuerung und Forecast
ZeithorizontRückblick über MonateAktueller Stand und nächste Wochen

Für die Vertriebsleitung heißt das: Die Pipeline nutzen Sie im wöchentlichen Gespräch mit dem Team, den Funnel in der monatlichen oder quartalsweisen Analyse. Beide speisen sich aus denselben Daten im CRM.

Welche Kennzahlen gehören zu jeder Phase des Sales Funnels?

Die wichtigste Kennzahl im Sales Funnel ist die Konversionsrate zwischen zwei Phasen. Sie berechnet sich so: Anzahl der Chancen, die in Phase B eintreten, geteilt durch die Anzahl der Chancen, die vorher in Phase A eingetreten sind, multipliziert mit 100. Dazu kommen Kennzahlen zu Menge, Zeit und Wert.

KennzahlFormelWas sie zeigt
Konversionsrate je PhaseEintritte Phase B ÷ Eintritte Phase A × 100Wie gut der Übergang zwischen zwei Phasen gelingt
GesamtkonversionAbschlüsse ÷ Leads × 100Wie viele Leads am Ende zu Kunden werden
Verweildauer je PhaseSumme der Tage in der Phase ÷ Anzahl ChancenWo Chancen hängen bleiben
Eingang je PhaseNeue Chancen in der Phase pro MonatOb genug Nachschub für die nächsten Phasen entsteht
Durchschnittlicher AuftragswertUmsatz aus Abschlüssen ÷ Anzahl AbschlüsseWelchen Wert eine gewonnene Chance im Schnitt hat

Branchenübliche Konversionsraten, die als Vergleich taugen, gibt es kaum. Zu unterschiedlich sind Produkte, Preise, Zielgruppen und Phasendefinitionen. Der verlässlichste Maßstab sind Ihre eigenen Werte aus den Vorquartalen.

Wie finden Sie Engpässe im Sales Funnel?

Ein Engpass im Sales Funnel ist die Phase, in der im Verhältnis die meisten Chancen verloren gehen oder am längsten liegen bleiben. Ihn zu finden, lohnt sich mehr als eine pauschale Steigerung der Lead-Menge: Mehr Leads in einen Funnel mit schwachem Übergang zum Angebot erzeugen vor allem mehr Arbeit. Diese Schritte helfen bei der Analyse:

  1. Phasen und Eintrittskriterien schriftlich festlegen und im CRM abbilden.
  2. Konversionsrate und Verweildauer je Phase für mindestens drei bis sechs Monate auswerten.
  3. Die Phase mit dem auffälligsten Rückgang oder der längsten Verweildauer markieren.
  4. Verlorene Chancen aus dieser Phase einzeln durchgehen und Verlustgründe sammeln.
  5. Eine Maßnahme festlegen, umsetzen und die Kennzahl nach einigen Wochen erneut prüfen.

Die Tabelle ordnet typische Muster ein. Sie ist eine Entscheidungshilfe für die erste Vermutung, keine Diagnose – die Verlustgründe aus Schritt 4 haben Vorrang.

AuffälligkeitMögliche UrsacheErster Ansatz
Viele Leads, wenige qualifizierteZielgruppe der Leadgenerierung passt nicht zum ZielkundenprofilZielkundenprofil schärfen, Kriterien mit dem Marketing abstimmen
Viele qualifizierte Leads, wenige ErstgesprächeZu späte oder zu allgemeine KontaktaufnahmeReaktionszeit festlegen, Gesprächseinstieg üben
Viele Erstgespräche, wenige AngeboteBedarfsanalyse zu oberflächlich, Nutzen nicht greifbarFragetechnik und Gesprächsleitfaden trainieren
Viele Angebote, wenige AbschlüsseAngebote ohne Bezug zum Bedarf, fehlende NachverfolgungAngebot persönlich besprechen, nächste Schritte vereinbaren
Lange Verweildauer in der VerhandlungEntscheider nicht eingebunden, Einwände ungeklärtBuying Center klären, Einwände gezielt erfragen

Typische Fehler beim Arbeiten mit dem Sales Funnel

Fehler im Umgang mit dem Sales Funnel entstehen meist bei der Datengrundlage, nicht bei der Rechnung. Ein Funnel ist nur so aussagekräftig wie die Pflege der Phasen im CRM. Diese Muster treten häufig auf:

  • Unklare Phasen: Jede Person im Team ordnet Chancen nach eigenem Gefühl zu.
  • Phasen werden übersprungen: Chancen springen im CRM vom Lead direkt zum Angebot, und die Quoten dazwischen fehlen.
  • Verlorene Chancen bleiben liegen: Statt sie als verloren zu markieren, bleiben sie offen und verzerren die Pipeline.
  • Nur Mengen zählen: Mehr Leads werden gefordert, obwohl der Engpass weiter unten im Funnel liegt.
  • Fremde Benchmarks übernehmen: Quoten aus anderen Branchen werden zum Ziel, ohne dass die Phasen vergleichbar sind.
  • Zahlen ohne Gespräch: Die Auswertung wird verteilt, aber nicht mit dem Team besprochen.

Wer einen Engpass gefunden hat, landet meist bei einem Verhaltensthema: wie das Team Gespräche eröffnet, Bedarf erfragt oder nachfasst. Hier setzt bei Mindshifter die Arbeit an – erst am Mindset, dann an der Methode.

Fazit

Ein Sales Funnel macht sichtbar, wie viele Chancen jede Phase des Verkaufsprozesses erreichen und wo sie verloren gehen. Voraussetzung sind klare Phasen mit Eintrittskriterien, die alle im Team gleich anwenden. Die Konversionsrate je Phase und die Verweildauer zeigen den Engpass; die einzelnen verlorenen Chancen zeigen den Grund. Wer die eigenen Werte über mehrere Monate verfolgt, statt fremde Benchmarks zu übernehmen, findet die Stelle, an der eine Verbesserung am meisten bewirkt.

FAQ

Häufige Fragen

Wie viele Phasen sollte ein Sales Funnel haben?

Für die meisten B2B-Vertriebe reichen fünf bis sieben Phasen. Weniger Phasen verdecken, wo Chancen verloren gehen; mehr Phasen machen die Pflege im CRM aufwendig und führen dazu, dass Stufen übersprungen werden. Maßstab ist Ihr tatsächlicher Verkaufsprozess: Jede Phase sollte einen klar erkennbaren Schritt abbilden, den ein Kunde gemacht hat.

Was ist eine gute Konversionsrate im Sales Funnel?

Eine allgemein gültige gute Konversionsrate gibt es nicht. Die Werte hängen von Produkt, Preis, Zielgruppe und davon ab, wie Sie die Phasen definieren. Sinnvoll ist der Vergleich mit Ihren eigenen Vorquartalen und zwischen Teams mit gleichen Phasendefinitionen. Eine Rate ist dann gut, wenn sie stabil ist oder steigt und der Umsatz aus den Abschlüssen Ihre Ziele trägt.

Welches Tool brauche ich für einen Sales Funnel?

Für einen Sales Funnel reicht ein CRM-System, in dem jede Verkaufschance einer Phase zugeordnet ist und Phasenwechsel mit Datum gespeichert werden. Viele CRM-Systeme bringen Funnel-Auswertungen mit. Für den Anfang funktioniert auch eine Tabellenkalkulation. Wichtiger als das Tool sind feste Phasendefinitionen und die Disziplin, Chancen zeitnah zu pflegen und verlorene Chancen als verloren zu markieren.

Wer ist für den Sales Funnel verantwortlich – Marketing oder Vertrieb?

Für den gesamten Sales Funnel sind Marketing und Vertrieb gemeinsam verantwortlich, für einzelne Phasen jeweils einer von beiden. Das Marketing verantwortet meist die Leadgenerierung und die erste Qualifizierung, der Vertrieb die Phasen ab dem Erstgespräch. Kritisch ist die Übergabe dazwischen. Sie braucht gemeinsame Kriterien, wann ein Lead an den Vertrieb geht, und eine Rückmeldung, was aus den Leads geworden ist.

Wie oft sollte ich den Sales Funnel auswerten?

Werten Sie den Sales Funnel monatlich aus und betrachten Sie die Entwicklung über mindestens ein Quartal. Ein einzelner Monat schwankt im B2B stark, weil wenige große Aufträge das Bild verschieben. Die wöchentliche Steuerung einzelner Chancen läuft dagegen über die Pipeline. So trennen Sie die Prozessanalyse von der operativen Arbeit an den Verkaufschancen.

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Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information. Er ersetzt keine Beratung für Ihre konkrete Situation im Unternehmen.

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