
Kurze Antwort
Vertriebskennzahlen sind messbare Werte, mit denen ein Unternehmen Leistung und Entwicklung seines Vertriebs steuert. Zu den wichtigsten KPIs im Vertrieb gehören Abschlussquote, Pipeline-Wert, gewichtete Pipeline, Länge des Sales Cycle und Kundenwert. Aussagekräftig wird die Steuerung, wenn Frühindikatoren wie Termine und Angebote mit Spätindikatoren wie Umsatz und Deckungsbeitrag kombiniert werden.
Das Wichtigste in Kürze
- Jede Vertriebskennzahl braucht eine feste Formel und eine klare Frage, die sie beantworten soll.
- Frühindikatoren wie Termine, Angebote und Pipeline zeigen, was kommt; Spätindikatoren wie Umsatz zeigen, was war.
- Die gewichtete Pipeline multipliziert den Wert jeder Verkaufschance mit der Abschlusswahrscheinlichkeit ihrer Phase.
- Weniger ist mehr: Fünf bis sieben Kennzahlen, die regelmäßig besprochen werden, steuern besser als ein Bericht mit Dutzenden Werten.
- Branchenvergleiche taugen selten als Ziel – der verlässlichste Maßstab sind Ihre eigenen Werte im Zeitverlauf.
Inhalt
Was sind Vertriebskennzahlen?
Vertriebskennzahlen sind Messgrößen, die zeigen, wie gut ein Vertrieb seine Ziele erreicht und wo er nachsteuern muss. Als KPI (Key Performance Indicator) bezeichnet man die Kennzahlen, die für den Erfolg besonders aussagekräftig sind und deshalb regelmäßig verfolgt werden. Nicht jede Zahl im CRM ist also ein KPI – nur die, an denen das Unternehmen tatsächlich Entscheidungen festmacht.
Vertriebskennzahlen erfüllen drei Aufgaben. Sie machen die Gegenwart sichtbar, etwa den Stand der Pipeline. Sie erlauben Prognosen, etwa für den Umsatz des nächsten Quartals. Und sie zeigen Ansatzpunkte für Verbesserung, etwa eine sinkende Abschlussquote bei Angeboten. Damit diese Aufgaben gelingen, braucht jede Kennzahl eine feste Formel, die im ganzen Unternehmen gleich verwendet wird.
Welche KPIs im Vertrieb sind die wichtigsten?
Die wichtigsten KPIs im Vertrieb beschreiben Ergebnis, Pipeline, Geschwindigkeit und Kundenwert. Welche davon für Sie im Vordergrund stehen, hängt von Geschäftsmodell und Strategie ab. Die Tabelle zeigt verbreitete Kennzahlen mit Formel und der Frage, die sie beantworten.
| Kennzahl | Formel | Was sie aussagt |
|---|---|---|
| Abschlussquote | Gewonnene Chancen ÷ (gewonnene + verlorene Chancen) × 100 | Wie viele entschiedene Verkaufschancen gewonnen werden |
| Angebotsquote | Gewonnene Angebote ÷ abgegebene Angebote × 100 | Wie gut Angebote zum Bedarf passen und nachverfolgt werden |
| Pipeline-Wert | Summe der Auftragswerte aller offenen Verkaufschancen | Welches Umsatzvolumen grundsätzlich in Arbeit ist |
| Gewichtete Pipeline | Summe aus Auftragswert × Abschlusswahrscheinlichkeit je Chance | Welcher Umsatz realistisch zu erwarten ist |
| Pipeline-Abdeckung | Pipeline-Wert ÷ offenes Umsatzziel des Zeitraums | Ob genug Chancen vorhanden sind, um das Ziel zu erreichen |
| Sales Cycle | Summe der Tage vom Erstkontakt bis Abschluss ÷ Anzahl Abschlüsse | Wie lange ein Verkauf im Schnitt dauert |
| Durchschnittlicher Auftragswert | Umsatz ÷ Anzahl Aufträge | Welchen Wert ein Auftrag im Schnitt hat |
| Kundenwert (Customer Lifetime Value) | Durchschnittlicher Deckungsbeitrag pro Jahr × erwartete Kundenjahre | Was ein Kunde über die gesamte Geschäftsbeziehung wert ist |
| Kundenabwanderung | Verlorene Kunden im Zeitraum ÷ Kunden zu Beginn des Zeitraums × 100 | Wie stabil der Kundenstamm ist |
Bei der Abschlussquote lohnt ein Blick auf die Definition. Manche Unternehmen teilen gewonnene Chancen durch alle angelegten Chancen, andere nur durch die entschiedenen. Beide Varianten sind möglich – sie dürfen nur nicht vermischt werden, sonst sind Vergleiche zwischen Teams oder Zeiträumen wertlos.
Was ist der Unterschied zwischen Früh- und Spätindikatoren?
Frühindikatoren sind Kennzahlen, die künftige Ergebnisse ankündigen; Spätindikatoren zeigen Ergebnisse, die bereits eingetreten sind. Im Vertrieb sind Umsatz und Deckungsbeitrag typische Spätindikatoren: Wenn sie sinken, ist der Grund oft Monate alt. Frühindikatoren wie Termine, neue Chancen und abgegebene Angebote zeigen dagegen rechtzeitig, ob genug Nachschub entsteht.
| Merkmal | Frühindikatoren | Spätindikatoren |
|---|---|---|
| Beispiele | Erstgespräche, neue Chancen, abgegebene Angebote, Pipeline-Abdeckung | Umsatz, Deckungsbeitrag, Abschlussquote, Kundenabwanderung |
| Zeitbezug | Zeigen, was in den nächsten Monaten kommt | Zeigen, was im letzten Zeitraum geschehen ist |
| Beeinflussbarkeit | Direkt durch Verhalten des Teams steuerbar | Nur indirekt über frühere Aktivitäten beeinflussbar |
| Nutzen in der Steuerung | Rechtzeitig gegensteuern | Ergebnis bewerten, Ziele überprüfen |
| Risiko | Aktivität ohne Qualität wird belohnt | Reaktion kommt zu spät |
Gute Vertriebssteuerung verbindet beide Arten. Frühindikatoren allein führen zu Aktionismus: Das Team führt viele Gespräche, aber nicht unbedingt die richtigen. Spätindikatoren allein führen zu Überraschungen am Quartalsende.
Wie berechnen Sie die gewichtete Pipeline?
Die gewichtete Pipeline berechnen Sie, indem Sie den Auftragswert jeder offenen Verkaufschance mit der Abschlusswahrscheinlichkeit ihrer Phase multiplizieren und die Ergebnisse addieren. Die Wahrscheinlichkeiten je Phase sollten aus Ihren eigenen historischen Daten stammen, nicht aus Bauchgefühl oder fremden Vorlagen.
Die gewichtete Pipeline ist eine Schätzung über viele Chancen, keine Prognose für eine einzelne. Bei wenigen großen Chancen schwankt sie stark: Eine einzige gewonnene oder verlorene Chance verändert das Ergebnis deutlich. Ergänzen Sie sie deshalb um die Einschätzung der verantwortlichen Personen zu jeder großen Chance.
Wie wählen Sie die richtigen Vertriebskennzahlen aus?
Die richtigen Vertriebskennzahlen leiten Sie aus Ihrer Vertriebsstrategie ab, nicht aus den Standardberichten Ihres CRM. Jede Kennzahl sollte eine Frage beantworten, die für eine Entscheidung wichtig ist. Dieser Leitfaden hilft bei der Auswahl:
- Ziel klären: Welches strategische Ziel soll gesteuert werden, etwa Neukundengewinnung oder Ausbau bestehender Kunden?
- Spätindikator wählen: Mit welcher Kennzahl messen Sie, ob das Ziel erreicht ist?
- Frühindikatoren ergänzen: Welche Aktivitäten oder Zwischenschritte gehen diesem Ergebnis voraus?
- Formel festlegen: Jede Kennzahl wird einmal schriftlich definiert und im CRM so berechnet.
- Verantwortung und Rhythmus bestimmen: Wer bespricht die Kennzahl, wie oft und mit wem?
- Nach einigen Monaten prüfen: Hat die Kennzahl Entscheidungen ausgelöst? Wenn nicht, streichen Sie sie.
Als Richtwert genügen für ein Vertriebsteam fünf bis sieben KPIs. Weitere Kennzahlen können im Hintergrund verfügbar sein, gehören aber nicht in das regelmäßige Gespräch.
Typische Fehler bei der Steuerung mit Vertriebskennzahlen
Fehler bei der KPI-Steuerung im Vertrieb entstehen, wenn Kennzahlen zum Selbstzweck werden. Eine Zahl, die bewertet wird, verändert das Verhalten – nicht immer in die gewünschte Richtung. Diese Muster sind verbreitet:
- Aktivität belohnen statt Wirkung: Wer nur Anrufe zählt, bekommt viele kurze Anrufe ohne Ergebnis.
- Zu viele Kennzahlen: Ein Bericht mit Dutzenden Werten verhindert, dass sich jemand auf das Wesentliche konzentriert.
- Uneinheitliche Definitionen: Jedes Team rechnet die Abschlussquote anders, und Vergleiche führen zu falschen Schlüssen.
- Fremde Benchmarks als Ziel: Branchenwerte aus anderen Märkten werden übernommen, obwohl Produkt und Prozess nicht vergleichbar sind.
- Zahlen ohne Gespräch: Kennzahlen werden verschickt, aber nicht mit dem Team besprochen und in Maßnahmen übersetzt.
- Gepflegte Pipeline vortäuschen: Verlorene Chancen bleiben offen, damit die Pipeline gut aussieht.
Fazit
Vertriebskennzahlen machen sichtbar, wo ein Vertrieb steht, was in den nächsten Monaten zu erwarten ist und wo er nachsteuern sollte. Entscheidend sind wenige KPIs mit fester Formel, abgeleitet aus der Vertriebsstrategie. Frühindikatoren wie Termine und Pipeline-Abdeckung zeigen rechtzeitig, ob Nachschub entsteht; Spätindikatoren wie Umsatz und Abschlussquote bewerten das Ergebnis. Wirksam werden Kennzahlen erst, wenn sie regelmäßig mit dem Team besprochen und in konkrete Maßnahmen übersetzt werden.