
Kurze Antwort
Ein Führungsstil beschreibt das wiederkehrende Verhalten, mit dem eine Führungskraft Mitarbeitende steuert, beteiligt und unterstützt. Die bekanntesten Modelle stammen von Kurt Lewin (autoritär, kooperativ, Laissez-faire), Tannenbaum und Schmidt (Kontinuum mit sieben Stufen), Burns und Bass (transaktional, transformational) sowie Hersey und Blanchard (situativ). Keiner dieser Stile passt in jeder Lage.
Das Wichtigste in Kürze
- Kurt Lewin unterschied 1939 drei Führungsstile: autoritär, kooperativ (demokratisch) und Laissez-faire.
- Das Kontinuum von Tannenbaum und Schmidt (1958) ordnet Führungsverhalten nach dem Entscheidungsspielraum der Mitarbeitenden in sieben Stufen.
- Transaktionale Führung steuert über Ziele und Gegenleistung, transformationale Führung über Sinn, Vorbild und Entwicklung.
- Situatives Führen wählt den Stil nach dem Reifegrad der Person für eine konkrete Aufgabe.
- Den besten Führungsstil gibt es nicht – wirksam ist, wer bewusst zwischen Stilen wechselt und das Team daran beteiligt.
Inhalt
- 1Was ist ein Führungsstil?
- 2Welche Führungsstile unterschied Kurt Lewin?
- 3Was beschreibt das Kontinuum von Tannenbaum und Schmidt?
- 4Was unterscheidet transaktionale und transformationale Führung?
- 5Was ist situatives Führen?
- 6Führungsstile im Vergleich: Vor- und Nachteile
- 7Wie finden Sie den passenden Führungsstil?
Was ist ein Führungsstil?
Ein Führungsstil ist das typische, über längere Zeit beobachtbare Verhaltensmuster einer Führungskraft gegenüber ihren Mitarbeitenden. Er zeigt sich vor allem in drei Fragen: Wer trifft Entscheidungen? Wie viel Spielraum haben Mitarbeitende? Und wie stark kümmert sich die Führungskraft um Aufgabe und Beziehung?
Führungsstile werden seit den 1930er-Jahren systematisch untersucht. Frühe Modelle unterscheiden wenige, klar abgegrenzte Typen. Spätere Ansätze beschreiben Führung als Bandbreite oder machen den passenden Stil von der Situation abhängig. In deutschen Lehrbüchern finden sich außerdem die sogenannten klassischen Führungsstile – autokratisch, patriarchalisch, charismatisch und bürokratisch –, die meist auf die Herrschaftstypen des Soziologen Max Weber zurückgeführt werden.
Wichtig für die Praxis: Kaum eine Führungskraft führt in Reinform. Die Modelle sind Denkwerkzeuge, um das eigene Verhalten einzuordnen und bewusst zu verändern.
Welche Führungsstile unterschied Kurt Lewin?
Der Psychologe Kurt Lewin unterschied 1939 gemeinsam mit Ronald Lippitt und Ralph K. White drei Führungsstile: autoritär, demokratisch und Laissez-faire. Grundlage waren Experimente mit Freizeitgruppen von Kindern, die von Erwachsenen in jeweils einem der drei Stile geleitet wurden. Im Deutschen wird der demokratische Stil meist als kooperativer Führungsstil bezeichnet.
- Autoritärer Führungsstil: Die Führungskraft entscheidet allein, gibt Aufgaben und Wege vor und kontrolliert die Umsetzung.
- Kooperativer Führungsstil: Die Führungskraft bezieht Mitarbeitende in Entscheidungen ein, erklärt Ziele und überträgt Verantwortung.
- Laissez-faire-Führungsstil: Die Führungskraft greift kaum ein, Mitarbeitende organisieren sich weitgehend selbst.
Lewins Studien beschrieben unter autoritärer Leitung mehr Abhängigkeit und Spannungen in der Gruppe, unter demokratischer Leitung mehr Eigeninitiative und unter Laissez-faire am wenigsten zielgerichtete Arbeit. Die Experimente gelten heute als Pionierarbeit, lassen sich wegen kleiner Gruppen und des besonderen Rahmens aber nur begrenzt auf Unternehmen übertragen.
Was beschreibt das Kontinuum von Tannenbaum und Schmidt?
Das Führungsstil-Kontinuum von Robert Tannenbaum und Warren H. Schmidt beschreibt Führung als Bandbreite zwischen zwei Polen. Die Autoren veröffentlichten es 1958 in der Harvard Business Review. An einem Ende entscheidet allein die Führungskraft, am anderen entscheidet die Gruppe innerhalb eines vereinbarten Rahmens. Dazwischen liegen Stufen, in denen der Entscheidungsspielraum der Mitarbeitenden wächst.
Im deutschsprachigen Raum wird das Kontinuum meist mit sieben Stufen dargestellt. Die Bezeichnungen variieren je nach Quelle:
- Autoritär: Die Führungskraft entscheidet und ordnet an.
- Patriarchalisch: Sie entscheidet und versucht, die Mitarbeitenden zu überzeugen.
- Informierend: Sie entscheidet, erklärt die Entscheidung und lässt Fragen zu.
- Beratend: Sie stellt eine vorläufige Entscheidung zur Diskussion und kann sie ändern.
- Kooperativ: Die Gruppe entwickelt Vorschläge, die Führungskraft wählt aus.
- Delegativ: Die Gruppe entscheidet innerhalb festgelegter Grenzen.
- Autonom: Die Gruppe entscheidet weitgehend selbst, die Führungskraft koordiniert.
Der Nutzen des Kontinuums liegt in der Feinabstufung. Statt „autoritär oder kooperativ“ fragt es: Wie viel Mitsprache ist bei dieser Entscheidung sinnvoll? Tannenbaum und Schmidt nannten selbst drei Einflussgrößen – die Führungskraft, die Mitarbeitenden und die Situation, etwa Zeitdruck oder Tragweite.
Was unterscheidet transaktionale und transformationale Führung?
Transaktionale Führung steuert über einen Austausch: Die Führungskraft vereinbart Ziele und belohnt deren Erreichen, bei Abweichungen greift sie ein. Transformationale Führung setzt auf Sinn, Vorbild und Entwicklung, damit Mitarbeitende aus eigener Überzeugung mehr leisten. Das Begriffspaar geht auf den Politikwissenschaftler James MacGregor Burns zurück, der es 1978 in seinem Buch „Leadership“ beschrieb.
Der Psychologe Bernard M. Bass übertrug das Konzept in den 1980er-Jahren auf Unternehmen und entwickelte es mit Bruce Avolio zum Full-Range-Leadership-Modell weiter. Transformationale Führung umfasst dort vier Elemente:
- Idealisierter Einfluss: Die Führungskraft handelt als glaubwürdiges Vorbild.
- Inspirierende Motivation: Sie vermittelt ein klares, attraktives Ziel.
- Intellektuelle Anregung: Sie fordert Mitarbeitende auf, Gewohntes zu hinterfragen.
- Individuelle Berücksichtigung: Sie fördert jede Person nach ihren Stärken.
Bass verstand beide Formen nicht als Gegensatz, sondern als Ergänzung. Klare Ziele und faire Anreize schaffen Verlässlichkeit; transformationale Elemente kommen hinzu, wenn Veränderung und Eigeninitiative gefragt sind. Im Vertrieb ist die Kombination alltäglich: Zielvereinbarung und Provision sind transaktional, das gemeinsame Verständnis, warum Kunden das Angebot brauchen, ist transformational.
Was ist situatives Führen?
Situatives Führen ist ein Modell von Paul Hersey und Ken Blanchard aus dem Jahr 1969, nach dem der passende Führungsstil vom Reifegrad der Mitarbeitenden für eine konkrete Aufgabe abhängt. Es unterscheidet vier Stile: Anweisen, Überzeugen, Beteiligen und Delegieren. Damit verbindet es die Stilfrage mit der Entwicklung der einzelnen Person.
Reifegrade, Stile und typische Fehler beschreiben wir ausführlich im Ratgeberartikel „Situatives Führen“. Für den Vergleich in diesem Artikel reicht der Kern: Ein Stil ist nicht gut oder schlecht, sondern passend oder unpassend.
Führungsstile im Vergleich: Vor- und Nachteile
Jeder Führungsstil hat Stärken in bestimmten Situationen und Risiken in anderen. Die Tabelle fasst die gängigen Stile zusammen:
| Führungsstil | Vorteile | Nachteile | Passt eher bei |
|---|---|---|---|
| Autoritär | Schnelle Entscheidungen, klare Zuständigkeit | Wenig Eigeninitiative, Abhängigkeit von der Führungskraft | Krisen, Sicherheitsfragen, neuen Teams ohne Erfahrung |
| Kooperativ | Mehr Ideen, höhere Akzeptanz von Entscheidungen | Abstimmung kostet Zeit, Verantwortung kann verschwimmen | Komplexen Aufgaben, erfahrenen Teams |
| Laissez-faire | Viel Freiraum für Selbstständige | Orientierungslosigkeit, Konflikte bleiben ungelöst | Hochqualifizierten Fachleuten mit klarem Auftrag |
| Transaktional | Klare Ziele, messbare Leistung, faire Regeln | Dienst nach Vorschrift, wenig Bindung über die Vereinbarung hinaus | Stabilen Prozessen, klar messbaren Zielen |
| Transformational | Motivation aus Sinn, Offenheit für Veränderung | Abhängig von Glaubwürdigkeit, Gefahr der Überforderung | Veränderung, Wachstum, neuen Strategien |
| Situativ | Passt Führung an Person und Aufgabe an | Anspruchsvoll, wirkt ohne Erklärung willkürlich | Teams mit unterschiedlicher Erfahrung |
Wie finden Sie den passenden Führungsstil?
Den passenden Führungsstil finden Sie, indem Sie ihn für jede Situation neu wählen – nicht einmal für die ganze Karriere. Hilfreich sind fünf Leitfragen, die Sie vor wichtigen Entscheidungen oder Aufgabenübergaben durchgehen:
- Wie viel Zeit habe ich? Unter echtem Zeitdruck ist eine klare Ansage angemessen.
- Wie hoch ist die Tragweite? Bei großen Folgen für das Team lohnt Beteiligung.
- Wer hat das Fachwissen? Liegt es im Team, sollte das Team mitentscheiden.
- Wie erfahren ist die Person für genau diese Aufgabe? Danach richten sich Anleitung und Spielraum.
- Brauche ich Zustimmung oder nur Umsetzung? Wo Engagement nötig ist, wirkt Beteiligung stärker.
Fazit
Führungsstile beschreiben, wie Führungskräfte entscheiden, beteiligen und unterstützen. Lewin lieferte mit autoritär, kooperativ und Laissez-faire die Grundbegriffe, Tannenbaum und Schmidt die Feinabstufung, Burns und Bass die Unterscheidung von transaktionaler und transformationaler Führung, Hersey und Blanchard die Anpassung an den Reifegrad. Gemeinsam ist den Modellen die Einsicht, dass kein Stil in jeder Lage passt. Wirksam führt, wer den eigenen Hang zu einem Stil kennt, die Situation prüft und dem Team offen sagt, wie entschieden wird.